ROBUSTGemüse

Praxisforschungsnetzwerk

Kartoffel & Zwiebelgewächse

Das Netzwerk Kartoffel & Zwiebel betrachtet diese beiden Kulturen gemeinsam, da in der Praxis Betriebe mit Kartoffelanbau oft auch Zwiebeln im Anbau haben, da die Wertschöpfungsketten zusammenlaufen, d.h. dieselben Vermarktungswege bedient werden.

Saskia Casper, Naturland

Neben den allgemeinen Kernthemen (Status-Quo-Analyse, Wassermanagement, Nährstoffmanagement) aller Netzwerke liegen mögliche Schwerpunkte für die Kartoffel in

  • der Weiterentwicklung von Pflanzenschutzstrategien,

  • der Sichtung von Sortentypen für die Verarbeitung und Lagerung und von Sortentypen mit erhöhtem Hitze- und Trockenstresspotenzial,

  • der Erarbeitung von Strategien der Düngung, die Folgen von Hitze und Trockenstress abmildern sowie Qualitätsaspekte für eine stabile Vermarktungsausbeute sichern,

  • der Optimierung von Lagerung (Ausbeuten, Qualitätserhalt, Versorgungssicherheit).

Mögliche Schwerpunkte für die Zwiebel könnten sein:

  • Optimierung von Aussaat, Auflaufen und Bodenbearbeitung unter wechselnden Witterungsbedingungen,

  • Sorteneignung unter Wasser- und Hitzestress durch geringe Wurzeltiefen,

  • Weiterentwicklung von Pflanzenschutzstrategien,

  • Qualitätssicherung (vornehmlich gleichmäßige Sortierungen),

  • Optimierung von Lagerung (Ausbeuten, Qualitätserhalt, Versorgungssicherheit).

Praxisforschungsnetzwerk

Wurzelgemüse

Hauptsächlich werden Möhren und Rote Bete bearbeitet werden, ferner nach Bedarf weiße Rüben (bspw. Pastinake, Petersilienwurzel, Sellerie). Die in den versuchen überprüften Maßnahmen zielen schwerpunktmäßig auf die Ertrags- und Qualitätsstabilisierung ab.

Holger Buck, Naturland

Neben den allgemeinen Kernthemen (Status-quo-Analyse, Wassermanagement, Nährstoffmanagement) können folgende Fragestellungen eine größere Rolle spielen:

  • die sichere Etablierung von Wurzelgemüsesaaten unter Trockenbedingungen,

  • Durchwurzelungstiefen unter Trockenbedingungen,

  • die Erprobung von Maßnahmen als Reaktion auf Stresssituationen, die Wachstum übermäßig fördern (Feuchte, moderat-gemäßigte Temperaturen) oder verlangsamen (Trockenheit und Hitze),

  • die Weiterentwicklung von Pflanzenschutzstrategien, unter anderem zur Schilf-Glasflügelzikade in Roter Bete.

Praxisforschungsnetzwerk

Konblauch

Knoblauch könnte in hohem Maße von sich verändernden Anbaubedingungen im Feldanbau profitieren. Als überwinternde Kultur für gemäßigte Breiten ließen sich Winterniederschläge besser ausnutzen. Der Eigenversorgungsgrad mit Knoblauch ist momentan gering, die Ertragsleistung deutlich ausbaufähig. Entlang der Wertschöpfungskette von Anbau bis zur Vermarktung soll daher ein modellhaftes Praxisforschungsnetzwerk Knoblauch etabliert werden, dass die Verbreitung als Anbaualternative vorantreibt. Damit wird gezeigt, wie Erzeugung und Vermarktung zusammenarbeiten, um eine für alle Marktpartner koordinierte und berechenbare Absatzentwicklung zu gewährleisten.

Anja Scheurich, Naturland

Fragestellungen, die eine größere Rolle auf den Betrieben spielen, sind:

  • Sortenwahl (Grünknoblauch und Lagerware),

  • Pflanzgutqualität (Pathogenbelastung und Kalibrierung des Pflanzgutes),

  • Unkrautregulierung und Pflanzenschutzstrategien sowie

  • Trocknung und Lagerung zum Erhalt der optischen und sensorischen Qualität.

Praxisforschungsnetzwerk

Kohl

Der Anbau von Kohl steht mit fortschreitendem Klimawandel und einer sich verschlechternden Situation bei der Verfügbarkeit von Arbeitskräften stark unter Druck. Kohl gilt bezüglich Nährstoff- und Wasserversorgung als höchst anspruchsvoll. Schädlinge üben momentan einen erheblichen Druck aus, die Managementoptionen sind jedoch stark begrenzt. Kohlkulturen, hier besonders arbeitsaufwändige Arten wie Rosenkohl, finden sich nur noch bei wenigen Produzenten.

Im Praxisforschungsnetzwerk sollen neue Anbauverfahren in Praxisforschungsansätzen getestet werden, die die momentanen Risiken des Kohlanbaus eindämmen. Vorrangig betrachtet werden Kopf- und Blattkohl-Arten, die besonders unter den sich ändernden klimatischen Bedingungen leiden. Die bisherigen Produktionsmethoden erweisen sich als zunehmend unzureichend.

Andrea Frankenberg, Bioland
Andrea Frankenberg, Bioland

Praxisforschungsnetzwerk

Nord-Ost

Der Osten und Norden Deutschlands sind teilweise durch Böden mit niedrigen Bodenzahlen geprägt, was in Kombination mit zunehmenden Trockenperioden besondere Herausforderungen mit sich bringt. Insbesondere gemüsebauliche Systeme mit hohem Nährstoffbedarf (z.B. auch in Kombination mit Mulchsystemen) stehen vor Schwierigkeiten, da für die Etablierung von Gemüsekulturen (z.B. Salat, Kohl) eine ausreichende Menge an stickstoffhaltigen Nährstoffen zur Verfügung stehen muss.

Im Fokus stehen daher die ganzheitliche Verbesserung des Nährstoffmanagements und die Entwicklung von Resilienzstrategien, die zusätzlich Aspekte wie Pflanzenschutz und Bewässerung einbeziehen. Das Praxisforschungsnetzwerk soll in der Region Nord-Ost zu einem effizienteren und flexibleren Nährstoffmanagement beitragen und damit die Resilienz gegenüber Umweltfaktoren erhöhen.

Mayerlin Fischbach, IGZ
Mayerlin Fischbach, IGZ

Praxisforschungsnetzwerk

Mitte-West

Die Region Mitte-West umfasst ein gemäßigtes Klima mit kühlen Temperaturen (9-10°C im Jahresmittel) und ausreichend Niederschlägen (700-870 mm im Jahresmittel). Klimawandelbedingt kann es in Zukunft jedoch zu längeren Trocken- und Hitzeperioden kommen. Auch Extremwetterereignisse und eine veränderte Niederschlagsverteilung, mit höheren Niederschlägen im Winter, bringen neue Herausforderungen mit sich.

Die Betriebe in NRW sind historisch bedingt entsprechend der jeweiligen Absatzmärkte über das ganze Land verteilt. Im Rheinland in NRW befinden sich fruchtbare Lössböden, welche sich gut für den intensiven Gemüsebau eignen, während in Westfalen eher kleinstrukturierte Betriebe vorherrschen. In Südhessen wird Gemüse intensiv angebaut, welches durch eine vorhandene Bewässerungsinfrastruktur gewährleistet wird. In Mittel- und Nordhessen dagegen sind die Bewässerungsmöglichkeiten begrenzt, die Böden jedoch gut geeignet für Gemüseanbau. Hier besteht das Potenzial den Gemüsebau auszuweiten.

Die Gemüsebaubetriebe in NRW und Hessen variieren stark in ihrer Größe, von kleinen familiären Gärtnereien bis zu großen Agrarunternehmen. Im PFN Mitte-West soll vor allem die Resilienz der kleinstrukturierten Betriebe untersucht und verbessert werden, da sie von Stressoren und Schocks besonders betroffen sind. Hierbei werden wir Anpassungsstrategien an die gehäuft auftretende begrenzte Wasserverfügbarkeit sowie die degenerierende Bodenqualität untersuchen. Mögliche Anpassungsstrategien bestehen in einer Ausweitung des Zwischenfruchtanbaus als auch in der Verwendung der Zwischenfrüchte als Mulchmaterial zur Bodenbedeckung in Gemüsekulturen.

Im PFN Mitte-West wird ein Netzwerkversuch angestrebt, sodass möglichst vergleichbare Versuche auf den vier bis fünf Betrieben durchgeführt werden sollen. Die Versuche werden jedoch an die individuellen Bedingungen (Zwischenfrüchte, Verfügbarkeit des Mulchmaterials, Kultur etc.) der Betriebe angepasst. Mögliche Versuchsfragestellungen drehen sich um Mulchmaterialien, Ausbringung und Nährstoffverluste.

Elias Gruber, UniKassel

Praxisforschungsnetzwerk

Süd

Der ökologische Gemüsebau in Süddeutschland ist sehr divers. Gerade in urbanen Räumen ist der gärtnerische Gemüsebau oft kleinstrukturiert mit einem starken Fokus auf der Direktvermarktung (Abokisten-Systeme, Hofläden, Marktstände, Solidarische Landwirtschaft). Daneben existieren jedoch insbesondere in Rheinland-Pfalz, in der Bodenseeregion und in Franken große Feldgemüsebaubetriebe, die insbesondere Lagergemüse und Kohl, aber auch Blattgemüse wie Spinat für den Großhandel oder die Verarbeitung anbauen, sowie hochspezialisierte Betriebe mit z.T. sehr großflächigem Unter-Glasanbau für Fruchtgemüse (Region Bodensee).

Bedingt durch den zu erwartenden Klimawandel ist davon auszugehen, dass die Durchschnittstemperaturen von 8 bis 10 °C um 0,8 bis 1,7 °C in den kommenden Jahren ansteigen werden. So ist zu erwarten, dass die Anzahl der Hitzetage mit > 30°C ansteigt. In den bereits sehr warmen Regionen wie im Rheingraben ergeben sich daraus neue Herausforderungen für den ökologischen Gemüsebau, aber auch neue Chancen. Die steigenden Temperaturen ermöglichen in Zukunft den Anbau von Kulturarten, die bisher auf mediterrane oder kontinentale Regionen Europas beschränkt waren, wie beispielsweise Melonen oder Süßkartoffeln. Darüber hinaus können selbst subtropische Kulturen wie Ingwer und Kurkuma unter Folie und unter bestimmten Voraussetzungen im Freiland angebaut werden.

Aktuell ist mit den teilnehmenden Betrieben geplant, ein Sortenscreening unterschiedlicher Melonenarten und -sorten (Citrullus lanatus und Cucumis melo) für den Freilandanbau und geschützten Anbau durchzuführen, gemeinsam Lösungen für die pflanzgutbürtige Krankheit Ralstonia pseudosolanacearum (Quarantäneschaderreger) bei Ingwer (Zingiber officinale) zu entwickeln und neue Zichorienvarietäten (Cichorium intybus) wie Vulkanspargel / ‘Puntarelle catalogna’ und weitere neue Blattgemüse zu prüfen.

Nikola_Lenz_Demeter