Mulchanbau im Fokus der Praxisforschung
Gemeinsam Lösungen für den ökologischen Gemüsebau entwickeln
Im Rahmen einer Lehrveranstaltung besuchte eine Studierendengruppe der Justus-Liebig-Universität Gießen den Sonnenhof in Buseck. Der Besuch ermöglichte einen praxisnahen Einblick in den Mulchgemüsebau und dessen Bedeutung für den ökologischen Gemüsebau. Bei der Betriebsbesichtigung wurde die Anbaufläche vorgestellt, auf der der Sonnenhof Mulchgemüse kultiviert. Dabei wurde die Bedeutung unterschiedlicher Mulchverfahren sowie betriebliche Erfahrungen zu Bodenfruchtbarkeit, Unkrautregulierung und Wassermanagement erläutert.
Im Fokus stand ein Ende Mai angelegter Mulchversuch im Rahmen des Projekts „ROBUSTGemüse – Resilienz im ökologischen Gemüsebau: Entwicklung und Erprobung von Strategien und Innovationen durch Praxisforschung“ im „Praxisforschungsnetzwerk Mitte-West“ (PFN). Der Versuch wird wissenschaftlich von der Universität Kassel begleitet und durch Beratungskräfte der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen sowie den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen unterstützt.
Im PFN Mitte-West befindet sich derzeit ein Netzwerk ökologisch wirtschaftender Gemüsebaubetriebe im Aufbau. Beteiligt sind fünf Intensivbetriebe (zwei in Nordrhein-Westfalen, drei in Hessen). Ziel ist es, praxisrelevante Fragestellungen des Mulchgemüseanbaus unter unterschiedlichen Standortbedingungen zu untersuchen und gemeinsam Lösungsansätze für die Praxis zu entwickeln. Dabei spielen Praxisnähe sowie betriebsindividuelle Varianten eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse der Praxisversuche sollen anschließend in die Beratungsarbeit einfließen und weiteren Betrieben zugänglich gemacht werden.
Praxisversuch zur Wirkung unterschiedlicher Mulchmaterialien
Auf dem Sonnenhof wird die betriebsübliche Mulchvariante aus Wickroggen und Erbse mit einer Strohmulchvariante sowie einer Kontrollparzelle ohne Mulchauflage verglichen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich unterschiedliche Mulchmaterialien auf die Nährstoffversorgung und die Entwicklung der Kulturpflanzen auswirken. Über die Vegetationsperiode hinweg werden dazu Bodenproben zur Analyse der Nährstoffdynamik entnommen. Ergänzend erfolgt eine Erntebonitur zur Erfassung und Bewertung von Ertrags- und Qualitätsmerkmalen.
Den Studierenden wurden die Vorteile des Mulchgemüseanbaus am Beispiel des Sonnenhofs vermittelt, insbesondere die dort gemachten positiven Erfahrungen hinsichtlich Unkrautunterdrückung, Humusaufbau und Wassereinsparung. Durch die Bodenbedeckung ist bis zur Ernte des Feldgemüses keine Bewässerung erforderlich; auch das Hacken entfällt. Zudem wurde erläutert, wie praxisnahe Forschungsansätze zur Stärkung der Resilienz ökologischer Gemüsebausysteme beitragen können.
Enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Beratung und Praxis
Das Besondere an einem Praxisforschungsnetzwerk ist die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Beratung und Praxis bei der gemeinsamen Entwicklung der Forschungsfragen. Alle Akteure arbeiten dabei eng verzahnt zusammen. Bereits zu Projektbeginn fand ein intensiver Austausch über die Potenziale und Herausforderungen des Mulchgemüseanbaus statt, in den praktische, wissenschaftliche und beratungsbezogene Perspektiven gleichermaßen einflossen. Die nächsten Schritte bestehen darin, das Netzwerk weiter auszubauen und die Auswirkungen unterschiedlicher Mulchmaterialien auf die Nährstoffdynamik im Boden zu untersuchen. Auf diese Weise können praxisnahe Erkenntnisse gewonnen werden, die sowohl die Weiterentwicklung des Mulchgemüseanbaus als auch den Wissenstransfer zwischen Forschung, Beratung und Praxis unterstützen.