Was ist Resilienz?
Allgemein gesagt beschreibt Resilienz die Fähigkeit von Systemen und Lebewesen, bei Störungen und Krisen nicht zu versagen, sondern zu widerstehen oder sich daran anzupassen. Resiliente Systeme können Krisen absorbieren, sich dynamisch an unvorhersehbare Veränderungen anpassen und ihre Kernfunktionen schnell wiederherstellen.
Foto: JKI Anna Tergast
Was bedeutet Resilienz im Gemüsebau?
Im Gemüsebau beschreibt Resilienz die Fähigkeit, Systemfunktionen trotz steigender Belastungen und Schocks aufrechtzuerhalten. Systemfunktionen im Gemüsebau sind zum Beispiel die Produktion von Gemüse, das Erwirtschaften eines tragfähigen Betriebseinkommens oder auch die Versorgung des Marktes mit den nachgefragten Qualitäten und Mengen.
Belastungen und Schocks können auf verschiedenen Ebenen ihren Ursprung haben. Dazu zählen unter anderem Krankheiten, Schädlinge, Trockenheit, Hitze, Dürre, Starkregen und Nährstoffverfügbarkeit. Aber auch Betriebsmittelverfügbarkeit, Produktionskosten, Erzeugerpreise, Marktdynamiken und Nachfrage können Belastungen oder Schocks auslösen.
Den Belastungen und Schocks gegenüber stehen die Resilienzkapazitäten wie Robustheit, Anpassungsfähigkeit und Transformationsfähigkeit. Robuste Systeme halten Schocks aus, anpassungsfähige Systeme haben Spielraum, um die Schocks auszugleichen oder auszuweichen und transformationsfähige Systeme verändern sich und können so Schocks oder deren Auswirkungen umgehen und sich positiv weiterentwickeln.
Maßnahmen wie Risikostreuung, Pflanzenschutzmaßnahmen, Anbaustrategien, die Erhöhung des Gehaltes an organischer Substanz im Boden und die Entwicklung neuer Fruchtfolgen spielen eine wichtige Rolle beim Aufbau von Resilienzkapazitäten im Gemüsebau.
Warum ist das wichtig?
Der ökologische Freilandgemüsebau steht vor zunehmenden Herausforderungen, die durch verschiedene Faktoren bedingt sind. Dazu zählen unter anderem der Klimawandel, gesellschaftliche und wirtschaftliche Einflüsse sowie Umweltbelastungen.
Freilandgemüse und Kartoffeln benötigen für gute Erträge und Qualitäten gleichmäßige Wachstumsbedingungen. Wasser, Nährstoffe, Arbeitskräfte und geeignete Lagerkapazitäten sind entscheidende Produktionsfaktoren. Mit zunehmender Vegetationsdauer nehmen Risiken, in eine Stresssituation zu geraten, zu. Hitze beeinflusst nicht nur Ertrag, sondern gleichzeitig auch die Qualitäten negativ. Ist zudem nicht ausreichend Wasser verfügbar, potenzieren sich die Auswirkungen von Hitzestress. Die Lagereignung wird dadurch deutlich beeinträchtigt, spielt jedoch besonders bei den Feldgemüsen eine bedeutende Rolle für die Markterschließung, während die Produktion von Frühware in Konkurrenz zu Importware steht. Ertragsschwankungen aufgrund von Stresssituationen führen kaskadierend zum sofortigen Verlust von Marktanteilen lokaler bzw. einheimischer Produzenten. Liefersicherheit ist ein wesentliches Kriterium für den Marktzugang. Aufgrund der daraus resultierenden verschärften Anforderung kommt es zu einer erhöhten Spezialisierung der Betriebe, die auch zu deutlichen Konzentrationseffekten im ökologischen Feldgemüseanbau führt – und dadurch wiederum zu weniger Anpassungs- und Transforamtionsfähigkeit. Zudem fördern veränderte Konsumgewohnheiten die Nachfrage nach Verarbeitungs- und Industriegemüse, der Handel treibt eine Regionalisierung der Produktion voran.
Das ROBUSTGemüse zielt darauf ab, diese systemische Widerstandsfähigkeit im ökologischen Freilandgemüsebau weiter zu evaluieren und durch gezielte Praxisforschungsnetzwerke zu stärken.